Wanderung ins Rätikon (5.– 9.08.2005)

Und weil es im letzten Jahr so schön war, beschlossen wir das Frauenwandern fortzusetzen – neben der alten Besetzung Nina, Anja, Anke, Britta, Ulli, Mareike und ich, konnten wir noch zwei weitere Wanderfrauen dazugewinnen: Lisa und Juliane! So machten wir uns also Anfang August auf in Richtung Dreiländereck "Österreich/Schweiz/Lichtenstein".

Anja, Anke und ich kamen von Wiesbaden, Nina stieg in Stuttgart zu und am Ulmer Bahnhof wurden wir bereits mit Butterbrezeln von Anjas Mama versorgt. Die anderen fünf sollten mit dem Auto zum Treffpunkt Talstation "Golmer Bahn" kommen. Aber leider verpassten wir uns am Treffpunkt, da die Bahn erst ab der Mittelstation fuhr. Per Handy war keiner zu erreichen – das fängt ja gut an! Darum fuhren wir zu viert – samt Rucksäcken und Pfandflaschen – per Anhalter in Richtung Tschagguns, um es an der Mittelstation zu versuchen. Wie nett die Jeep-Fahrerin doch zu uns Chaoten war. Kaum aus dem Auto gesprungen konnten wir gerade noch den Bus anhalten, der zur Gondelstation oberhalb des Stausees fuhr – noch mal Glück gehabt! Da warteteten auch auch schon die anderen auf uns und wir konnten hochgondeln. Noch eine halbe Stunde Fußmarsch leicht bergab und wir hatten die Lindauer Hütte (Österreich) erreicht; sehr schön gelegen und mit kleinem Alpenblumengarten. Bei dieser Tour wurde auch der Wunsch nach einem Bestimmungsbuch größer, der sich erst später erfüllen sollte. Das Lager teilten wir an diesem Abend mit 3 Männern, mit denen wir vorher noch Döner-Quartett spielten.

lindauer

Am nächsten Morgen starteten wir bei kaltem, schlechtem Wetter unseren Weg durch ein Wäldchen aus Latschenkiefern und Kuhfladen hinauf zum Drusentor (2342m). In einer maroden Schutzhütte kurz vorm Gipfel machten wir Pause, und um uns und unser Essen vor dem eisigen Wind und Regentropfen zu schützen, stellten wir "die Tür vor die Tür". Kurz danach erreichten wir das Dusentor und schließlich auch die Garschinahütte (Schweiz), die uns sogar doch noch mit ein wenig Sonnenschein begrüßte: ein sehr gemütliches Haus, mit Holzofen und leckerem Essen (Elbler-Nüdeli mit Apfelmus und einer Riesenschüssel Salat) – aber auch einem eiskalten Bad und Plumsklo. Anja, Ulli und ich brachten Juliane das Doppelkopfspielen ansatzweise bei und wir hatten einen schönen Abend mit kannenweise Tee. Unvergessen für Nina und Anke auch der schicke, blonde Naturbursche, der uns am Tag darauf vorm Weitergehen im Tiefschnee bewahren sollte. In der Nacht begann es nämlich ordentlich zu schneien…

garschina

… und am nächsten Morgen ging es auch gerade so weiter. Darum war es uns leider nicht möglich, unsere Tour in der Höhe fortzusetzen und wir mussten leider ins Tal hinabsteigen. Begleitet von Schneeregen über Nieselregen bishin zum Dauerregen erreichten wir das idyllische St. Antönien, wo wir zunächst an einer Bushaltestelle unterstehen und uns dann entschließen, zum Trocknen das Hotel "Rätia" aufzusuchen. Dorthin bekommt Mareike auch ihre auf der Garschina-Hütte vergessene Hose vom Naturburschen nachgetragen (die legendäre Mareikehose, wie konnte sie die nur in den Bergen vergessen?) – welch schöne Geste! Da nicht alle etwas im Hotel "Rätia "konsumieren wollen, gehen einige in Abständen raus, um die reichlichen Vorräte aus den Rucksäcken zu verspeisen. Dabei lernt die kontaktfreudige Anke eine Reisegruppe an einer Bushaltestelle kennen, an die wir sie beinahe verloren hätten. Nach einiger Trockenzeit nehmen wir schließlich den Bus zum Bahnhof uns fahren von da aus in den Schweizer Weinort Malans. Auf der Strecke verabschieden wir Lisa, die die Tour schon früher beendet, da sie kurz darauf in ihr Auslandssemester nach Mexiko startet. In Malans angekommen, haben wir als Übernachtungsmöglichkeit die Wahl zwischen einem Hotel oder einem Biobauernhof, der angeblich "Schlafen im Stroh" anbietet. Die Entscheidung lag auf der Hand und wir suchten den Bauerhof auf. Stroh war zwar keines mehr zu sehen, da sich die Geschäftsidee wohl nicht so richtig bewährt hatte, aber wir bekamen ein Lager in einem Stall auf Luftmatrazen – holzgetäfelt und mit großen Luftspalten. In der daneben liegnden Scheune fand sich so allerlei altes Gerät, eine Kutsche, ausgestopfte Vögel und Kuhglocken und vor allem waren überall Katzen. In der Abendsonne, die durch die zerbrochenen Scheiben hereinscheint – ach wie romantisch – machen wir uns ein schönes Abendmahl. Später kommen auch Petroleumlampen und Decken zum Einsatz: Langzeitbelichtungen, Singen, Volleyballspielen – eine unwirkliche aber schöne Atmosphäre! Darauf folgte die (zumindest für mich) kälteste Nacht unseres Lebens. Es zog ganz furchtbar durch die Ritzen und selbst zwei Lagen Decken bringen nichts. Durch Wärmflaschen und Toilettengänge mit "gegenseitig Wärmen" bekommen wir die Nacht einigermaßen hinter uns – sogar ohne Katzenbesuch.

malans

Am nächsten Tag war es nach großem Geschrei plötzlich ganz leise – und die Bioschweine waren nicht mehr da. Dieses Erlebnis der besonderen Art kostete schließlich jeden 10 Fränkli und so hat sich auch der ärgerliche Abstieg schlussendlich doch gelohnt. Bei Anja waren wegen der Kälte alle Überredungskünste nötig, sie zum Weiterwandern zu bewegen, aber wir haben es geschafft und fuhren gemeinsam in der Seilbahn mit Gepäckaufbewahrung, die wir am Abend vorher telefonisch reserviert haben wieder auf eine schöne Ausgangshöhe. Vorbei an Pferden und einem Hof mit Milchpipeline (daher kein Käsekauf möglich) haben wir schon von weitem einen tollen Blick auf einen Tunnel durch den Fels, durch den auch wir laufen müssen. Unser Weg führt steil hoch zum Barthümmeljoch (2309 m) – ein Pfeil zeigt uns die Richtung, vorbei an Murmeltieren – wo wir erst mal ein kleines Picknick machen. Dann wir es immer matschiger,bald liegt auch Schnee und wir treffen eine Familie mit völlig falscher Ausrüstung. Die Landschaft ist traumhaft: ein paar gelbe Blümchen schauen durch die Schneedecke und unweit von uns steht eine Herde Steinböcke. Kurz darauf erreichen wir unser nächstes und für die meisten auch letztes Ziel, die Pfälzer Hütte (Lichtenstein). Ein gemütlicher Gastraum mit Kachelofen und tollem Essen erwartet uns – und wir schmieden schon voller Übereifer Pläne fürs nächste Jahr. Eine Packliste stellt Nina auch zusammen, mit Wünschen der einzelnen fürs nächste Jahr:

Mel: Stöcke
Juliane: Schuhe
Anja: Rucksack und Handcreme
Ulli: regenhose, keine Müsliriegel
Mareike: keine dünne Salami
Anke: Liederbuch
Britta: Tier und Pflanzenbuch
Nina: Schuhe

pfaelzer

Nach einer Nacht in Stockbetten und letzten Gruppenfotos uns Porträts trennen wir uns in unterschiedliche Richtungen. Ulli und Juliane steigen über den Nenzinger Himmel ins Tal ab. Anja und ich wandern ebenfalls hinunter nach Malbun, von wo aus wir mit dem Bus nach Vaduz und schließlich mit dem Zug heim nach Wiesbaden fahren. Nina, Anke, Mareike und Britta dagegen hingen noch zwei Tage hintendran und machten sich bei Bomenwetter auf in Richtung Schesaplana-Hütte mit Zwischenstopp und Picknick an einem Wasserfall. Von der Hütte aus zogen sie nochmal los zu einer Käsealpe. Anke findet einen Teddy, den sie nicht wieder los wird. Die Hütte war schön, aber laut Erzählungen voller alter schnarchender Männer.

schesaplana

Am nächsten Morgen ging die Tour weiter mit einer Ehrenrunde vorbei an einer hohen Felswand (verrückte Kletterer), die Wege sind voll, es sind viele Wanderer unterwegs. Am Schweizer Tor (2139 m) kommt es zu einer unverhofften und nicht ganz ungefährlichen Kletterpartie (laut Ankes spektakuläen Erzählungen "kein vor und kein zurück mehr"), aber Nina behält einen kühlen Kopf und befördert Rucksäcke für zwei hinüber. Vorbei an einem Almabtrieb laufen die vier eine dreiviertel Stund entlang des Lüner Sees bishin zur Douglashütte.

douglass

Der letzte Weg führte über den Böse-Tritt-Steig, danach ging es auch für die lezten vier Wandersfrauen mit dem Bus nach Bludenz und zurück in die Zivilisation. Ein Nachtreffen auf der Trescherhöhe im Schwarzwald war schon beschlossen, bei dem wir dann zusammen Bilder anschauen wollten…

> Melanie

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